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Birgitta Schermbach

Birgitta Schermbach • erfasst den Ernst des Lebens mit Heiterkeit

Birgitta Schermbach arbeitet und lebt in der Metropolregion Basel. Sie definiert sich selbst als Humorosophin, Erzählraum Moderatorin und Coach. Als Pflegefachfrau spielt sie zusätzlich ihre psychiatrische Ausbildung zugunsten von Menschen aus, die ihre Hilfe benötigen. Damit hat sie noch nicht genug, denn sie führt ebenso Besucher durch das Museum für Musikautomaten. Mit ihrem sehr eigenständigen Humor unterhält sie nicht nur ihre Follower bei LinkedIn. Im Interview erzählt sie uns, was sie antreibt, erklärt ihren persönlichen Zugang zu Humor und gibt einen menschlichen Einblick hinter den Kulissen.

Warum ausgerechnet Dich?

Welche Sorgen und Hoffnungen muss jemand haben, damit er oder sie genau Dich braucht?

Ich wende mich an Menschen, die über ihr Leben jammern, bis es wehtut. Die immer ein Problem zur Hand haben und keine Lösungen zulassen. Menschen, die sich ärgern und ärgern und meistens alles nur noch ärger machen. Menschen, die es einfach nicht schaffen, die wichtigste Fitnessübung überhaupt zu praktizieren: Sich selbst auf den Arm zu nehmen. Tief in sich aber tragen sie die Hoffnung, dass sie den Ärger zum Erproben ihrer Heiterkeit nutzen könnten.

Wie lautet das Alleinstellungsmerkmal?

Was bekommen Menschen so nur bei Dir?

Menschen lernen bei mir, sich selbst auf den Arm zu nehmen. Dies gelingt durch gnadenlose, übertriebene Kritik an sich selbst. Auch durch freies Assoziieren. Im freien Assoziieren machen wir dann eine Art philosophischen Spaziergang. Da darf alles gesagt werden. Auch Unverschämtes. Geflucht werden darf auch. Das ganze Material, das dann da zusammenkommt, karikieren wir mit Erfindungskraft und gemeinsamer Denkarbeit. Vom Resultat wirst du möglicherweise ergriffen, sodass du in schallendes Lachen ausbrichst oder tief schmunzeln musst.

Danach hast du begriffen, dass du dich zuerst mit ironischer Heiterkeit selbst auf den Arm nehmen musst, bevor du andere kritisierst.  Schaffst du es, dich selbst zu karikieren, agierst du als unwiderstehliches Vorbild und deine Mitmenschen werden dich lieben. Durch das neue Verhalten entsteht Besonderes in deiner Umgebung. Das Vertrauen zu dir wächst, die Atmosphäre ist fröhlich und die Menschen sind gern um dich herum! 

Das Multitalent mit vielfältigen Aufgaben

Du bist ein absolutes Multitalent und übst viele Tätigkeiten aus. Was gibt Dir am meisten Kraft, was fordert Dich am meisten heraus?

Als fortgeschrittene Frau im fortgeschrittenen Alter, mit einer fundierten psychiatrischen Ausbildung, kann ich inzwischen locker das Abendgebet eines Patienten zu Gott von der Aussage des jetzigen amerikanischen Präsidenten, der behauptet, dass Gott mit ihm spricht, differenzieren und pathologisch zuordnen. Nach wie vor faszinieren mich Menschen mit besonderen Eigenheiten. Du weisst ja, dass ich #Frohstoffhändlerin bin. Ich brauche diese Art von Stoff für meine Geschichten.  

Im Museum für Musikautomaten, wo ich Führungen anbiete, zeigen und erzählen wir die musiktechnisch bedeutsame Entwicklung der mechanischen Musikinstrumente und deren kulturelle Verflechtungen. Gleichzeitig stellen wir das damalige Musiklernen der heutigen Nutzung von digitalen Medientechnologien gegenüber. Kürzlich wurden wir vom Schweizerischen Nationalfonds als Forschungsinstitution anerkannt. Gelingt es mir, eine Führung konzentriert zu gestalten und dabei das notwendige Wissen plausibel und auch mit Schalk zu vermitteln, dann macht mich das glücklich. 

Als Erzählraummoderatorin biete ich eine ungewöhnliche Art der Begegnung über das Erzählen und Zuhören zu aktuellen Themen an, die ich zuvor veranschlage. Erzählräume zeichnen sich durch die individuellen Geschichten der Teilnehmenden aus, in denen sie beschreiben, was sie erlebt haben. Diese Geschichten überzeugen durch ihre Lebensechtheit und werden über den Erzählbogen von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft in der zeitlichen Dimension verbunden. Es werden darin keine universellen Wahrheiten begründet, vielmehr geht es um Wahrscheinlichkeiten und Plausibilitäten, die bei allen Teilnehmenden zu immer neuen Perspektiven führen. 

Sehr oft teilen mir Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Nachhinein mit, dass ihnen der letzte Erzählraum half, Ideen zu entwickeln, wie sie das eigene Leben und das der Gemeinschaft, in der sie sich tagtäglich aufhalten, durch Eigeninitiative verbessern konnten. Ich bin überzeugt, dass die Begegnung über das Erzählen und Zuhören, ohne zu diskutieren und zu argumentieren, hilft, einander wirklich zu verstehen und in Zukunft gesellschaftliche Veränderungen nachhaltig auf den Weg zu bringen.

Als Humorosophin die Welt zum Besseren verändern

Du bezeichnest Dich als Humorosophin. Was können die Leser sich darunter vorstellen und haben die Menschen einfach in diesen Zeiten nichts mehr zu lachen, weshalb sie Dich brauchen?

Ein Zitat, das ich für meinen ersten Buchbeitrag im Buch HumorCare – das Heiterkeitsbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe kreierte, lautet:

„Humor ist Gold wert. Taktvoll angelegt vervielfacht sich das Kapital.“

Dieses Zitat zeigt, wofür ich stehe. Ich setze mich am laufenden Stimmband für den freundlichen, empathischen Humor ein, der den Menschen liebevoll auf die Schippe nimmt, ohne ihn jemals auszulachen. Diese wertschätzende Art von Humor empfinde ich als Persönlichkeitsmerkmal und Geisteshaltung. Deshalb nehme ich mich selbst täglich mehrmals mit meinen Ungereimtheiten auf die Schippe, um nicht aus der Übung zu kommen. Durch diese Übung wird der Blick auf Schweres verändert, das uns halt immer mal widerfährt. Im besten Fall kann ich danach erleichtert schmunzeln oder lachen, meine Ungereimtheiten anders betrachten und ihnen eine neue Bedeutung geben.

Humor, der auch manchmal verwirrt

Wie ich hast Du einen exzentrischen Sinn für Humor. Wie gehst Du damit um, falls Menschen damit nichts anfangen können?

Meine degenerativen Gelenksbeschwerden zwingen mich inzwischen noch mehr zu drastischen Lebensveränderungen, die ich ohne die schwindende Ressource Gesundheit niemals treffen würde. Seither bin ich noch komischer und nehme nichts, aber auch gar nichts ernst, ausser mich selbst. Der geniale Nebeneffekt dabei ist, dass ich als Humor-ooooh-sophin, Coach und schelmische Fachreferentin zu jedem nur erdenklichen Thema die Menschen erheitere. Das Kopf- und Mundwerk leidet noch nicht an Bewegungseinschränkungen. Ich habe immer das letzte Wort. Das haben Frauen generell. Das beruht hauptsächlich darauf, dass den Männern nichts mehr einfällt ;). 

Die Forschung belegt, dass von zehn losgetretenen Witzen neun in die Hose gehen. Das ist beruhigend, wie ich finde. Witz als Stammwort in der germanischen Sprache meint ja ursprünglich Denkkraft, Klugheit, Urteilsvermögen, ja, halt gesunden Menschenverstand! Und es gibt Zeitgenossen, die über all das nicht verfügen ;)! Manchmal kommt es mir so vor, als ob denen das Verständnis für eine fröhliche Lebenseinstellung fehlt. Am Tage sollst du wenigstens ein Mal witzeln, denn Menschen lassen sich gerne kitzeln, so mein Credo. Und die, die nicht Schelm sein wollen, sollen es halt bleiben lassen.

Klare Gedanken, klare Kante

Du bist bekannt dafür, Klartext zu sprechen, auch auf die Gefahr, damit anzuecken. Wie erholst Du Dich am besten von Gegenwind und Missständen?

Ich hatte mal zu Beginn des Ukrainekrieges vorgeschlagen, eine Lacharmee ins Krisengebiet zu schicken. Ich stellte mir dann vor, wie sie, mit einem Humorpanzer ausgerüstet, sowas wie Lachschrot lospfeffern. Der Feind wüsste plötzlich nicht mehr gegen wen er eigentlich kämpfen und was er mit dem komischen Ding, dem Gewehr, in seiner Hand machen soll. 

Inspiriert wurden meine Gedanken durch eine Performance von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle in der Ausstellung «Party for Öyvind» in Basel im Tinguely Museum. Vielleicht könnte die absurde Intervention «Lacharmee», mutig gewagt, eine unglaubliche Wirkung erzeugen? Besser zusammenlachen als zusammenkrachen?“

Kaum jemand reagierte darauf. Andere empörten sich und bezeichneten mich als verrückt. „Ob ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe?!“, unkte es aus den verschiedenen Reihen. Die Tassen waren alle noch im Schrank. Ich wollte einfach auf widersinnige Weise die Menschen mit neuen Gedankenexperimenten inspirieren! Im Wissen darum, dass ich diese Zeilen von einem höchst privilegierten Sitz verfasste.

Nach solchen Verunglimpfungen erhole ich mich im warmen Wasser des Solebads in Rheinfelden. Auch Wanderungen mit Weitblick und ein Gespräch mit Freunden helfen mir beim Segeln mit Gegenwind. Missstände verarbeite ich in der Regel durch Schreiben. Da entsteht oft zuerst ein scharfsinniger Text, in dem ich alles loswerde. Im zweiten Durchgang mische ich dann die Pointen bei. 

Die Schweiz und ihre besonderen Seiten

Du kennst die Schweiz in allen Facetten. Worin ist es ein Privileg, eine Schweizerin zu sein und was hat selbst in der schönen Schweiz noch Luft nach oben?

Ich bin meinem Vater sehr dankbar, dass wir in den Sechzigern in die Schweiz immigriert sind. Es war nicht einfach als Deutsche. Der Zweite Weltkrieg lag siebzehn Jahre zurück. Wir haben ziemlich viel Hass von den Schweizern abgekriegt. Dann war da noch die Schwarzenbachinitiative in den Siebzigern, die keine Überfremdung in der Schweiz tolerierte und wollte. Zum Glück wurde sie abgelehnt und wir konnten bleiben.

Ich liebe die Berge, die Seen, die verschiedenen Dialekte in den Kantonen, die vier offiziellen Landessprachen (italienisch, französisch, deutsch, rätoromanisch), die Sauberkeit, die Sicherheit hier, das soziale Engagement, die medizinische Versorgung und die gelebte Demokratie. Es ist ein Privileg, hier ungehindert leben zu dürfen.

Luft nach oben hat der Humor in der Schweiz. Schweizer behandeln ihren Humor wie ihr Gehalt. Sie reden nicht darüber. Wir hatten und haben zwar viele gute Comedians und Kabarettisten. Zum Beispiel den Simon Enzler, die Hazel Brugger, die Gardi Hutter, Dimitri †, Emil Steinberger, Franz Hohler, Sybille und Michael Birkenmeier. Im Alltag jedoch empfinde ich den Schweizer ziemlich humorlos.

Denke ich da an die Engländer, die in abgeklärter Seelenruhe ständig ihre trockenen und leisen Untertreibungen im Alltag einsetzen oder auch die auftrumpfenden Überbietungen der Amerikaner, die am Ende manchmal köstlich absurd werden, dann wünsche ich mir oft, dass die Schweizer voller ins Menschenleben greifen und das eine oder andere originell auf die Schippe nehmen! Die Alltagskonversation würde dadurch sichtlich aufgewertet werden! Und ja: Ich mache es vor! Ab Januar 2026 wirst du Podcasts von mir hören, in denen ich Frauen zum Humor im Alltag interviewen werde.

Der Schweizer Alltag ist nämlich voller schräger Eigenheiten. Denke ich nur an die Nummern: „Die Vorstandssitzung“ oder „Nachts auf der Hauptwache“ von Emil Steinberger, siehst du schon ein verschmitztes Schmunzeln in meinem Gesicht! Emil ist und bleibt für mich Meister der Exaktitüde von schweizerischen Ungereimtheiten, die mit Worten, Gesten und unglaublicher Präzision auf der Rampe vorgetragen werden!

Wenn es einmal zu Ende geht

Was wäre Deine Henkersmahlzeit und welche schönen Erinnerungen und Gefühle verbindest Du damit?

Als Zeremonienmeisterin von Spargelhochzeiten, insbesondere grüne mit weissen, reiche ich dazu eine selbstgemachte Kräutermayonnaise und Salzkartoffeln. Dazu einen Bianco Veronese, heiliger Wein von heiligem Boden.

Frisch und prickelnd ist das Mahl,
und unsere Liebe: einfach genial!
Zwei Kinder gehen daraus hervor,
beide besitzen viel Humor.
Fantastisch, schräg und bunt
und: auf den Punkt.
Hie und da auch tiefschwarz,
trotzdem golden wie Bernsteinharz!
Drum werde ich dich nie vergessen
und geniesse jetzt das Essen!

Ich bereue nichts im Leben und bin dankbar für alles, was ich bisher erleben und erfahren durfte!

Fazit und Zusammenfassung

Birgitta Schermbach ist eine lebenserfahrene Frau mit klaren Werten und Vorstellungen. Ihre Mitmenschen begeistert sie mit einem exzentrischen Sinn für Humor. Lediglich bei humorlosen Leuten versteht sie keinerlei Spaß. Sie nimmt sich meisterhaft selbst auf den Arm und ermutigt andere gleichsam dazu. Ihre fundierte psychiatrische Ausbildung unterstützt sie dabei, einen Zugang zu Menschen in persönlichen Nöten zu finden. Musikinstrumente und Erzählräume sind Orte ihrer Entfaltung. Zertreuung findet sie in der Natur sowie bei gutem Essen. Als eigentlich Zugewanderte hat sie ihren festen Platz in der Schweiz gefunden. Bist Du neugierig geworden, mit ihr zu arbeiten? Besuche ihren Internetauftritt Birgitta Schermbach • Erzählraum Moderatorin, Humorosophin, Coach.

Bildnachweis: KI.

6 Kommentare zu „Birgitta Schermbach • erfasst den Ernst des Lebens mit Heiterkeit“

  1. Nach Lesen aller bisher veröffentlichten Interviews bin ich begeistert von dieser Rubrik, Patrick.
    Ich kenne (bislang) ja alle hier Vorgestellten als wertvolle Kontakte in meinem Netzwerk, lerne sie aber hier nochmal auf eine persönliche Art besser kennen.
    Und es gibt Sätze von ihnen, Sätze! Meine Zitaten Sammlung mit Sprachschätzen aus meinem Netzwerk wird immens wachsen. Hier zum Beispiel:
    „Sie ärgern sich und ärgern sich und machen es damit immer ärger.“
    Grandios 💚

    1. Danke für Deine wertvolle Rückmeldung, Sabine. Alle Beteiligten, Dich inklusive natürlich, haben sich richtig Mühe gegeben. Bekanntlich neige ich eher nicht zu Eigenlob, aber ich finde, wir haben alle zusammen als Team professionell gearbeitet. 👍

      1. Und ob wir das haben, Patrick. Hilfreich war dabei natürlich deine strukturierte Anleitung, nach der wir alle ganz genau wussten, was und wie zu tun ist. Zudem waren deine Fragen so, dass die Lust zum Antworten mit neuem Entdecken eigener Fähigkeiten und der genüsslichen Freude, das alles möglichst verständlich aufzuschreiben, Hand in Hand gingen und Zeit vergessen ließen.
        Eigentlich wollte man gar nicht fertig werden, so viel Freude hat es geschenkt. Du bist ein großartiger Interviewer. Unter anderem.

        Und zum Thema Eigenlob:

        Diejenigen, die wirklich Grund dazu hätten, halten sich in der Regel bescheiden zurück, während jene, die sich eher zurückhalten sollten, sich öffentlich manchmal peinlich darin suhlen.

        1. Hunderte Folgen Top Gear, bei denen Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May jeweils einen Gast präsentierten, haben mich ganz gut vorbereitet, Sabine. Und Ihr musstet nicht einmal in einer gefährlichen Karre eine schnelle Runde drehen. 😉

          Ansonsten lasse ich gerne Ergebnisse für mich sprechen. Und freue mich, wenn meine Geschäftskontakte meine Strukturiertheit mit mir gehen.

      2. Die strukturierte Anleitung von dir, Patrick, und die ausgeklügelten Fragen, die du stelltest, haben mich tief tauchen lassen.
        Ich habe das Interview einfach auch sehr genossen!
        Und natürlich zu nennen ist die echt gute Teamarbeit, die ich sehr schätzte!

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