Yvonne Kaiser lebt in Frankreich unter der Marke Vediamo erfolgreich ihren Traum als Künstlerin aus. Doch dahinter steckt keineswegs brotloser Idealismus. Sie hat in ihrer Karriere zuvor viel Erfahrung in der klassischen Privatwirtschaft gesammelt. Ihre leuchtenden und eindrucksvollen Werke sind keineswegs ideenlose Kleckserei auf Leinwand. Zugleich bleibt sie für Kunden und aufgeschlossene Menschen in Veranstaltungen erlebbar. Im Interview schenkt uns Yvonne Einblicke, was sich in ihrer Kunst in Wahrheit verbirgt und wie es sich als Frau und Künstlerin so in Frankreich aushalten lässt.
- Warum ausgerechnet Dich?
- Wie lautet das Alleinstellungsmerkmal?
- Die Marke und die Person
- Lebenswege und Wendepunkte
- Was Kunst erreichen kann
- Kunst und Kohle
- Kunst aktiv erleben
- Leben wie eine Göttin in Frankreich?
- Seriöse Dame oder ausschweifende Avantgarde?
- Wenn es einmal zu Ende geht
- Fazit und Zusammenfassung
Warum ausgerechnet Dich?
Welche Sorgen und Hoffnungen muss jemand haben, damit er oder sie genau Dich braucht?
Wer schwer erträgt, dass um ihn herum alles in Schwarzmalerei versinkt und lieber anpackt statt zu jammern, ist bei mir richtig. Wenn jemand Freude daran hat, Dinge ins Leben zu bringen und dabei Werte und Leichtigkeit verbinden will, findet er oder sie bei mir ein gleichgesinntes Gegenüber. In solchen Menschen pulsiert Pioniergeist und dieses Leuchten greife ich auf. Meine Kunst erinnert daran, wie viel Gestaltungskraft in uns steckt. Für einen Alltag, der das Savoir vivre feiert. Frei nach Udo Lindenberg: Ich mach mein Ding.
Wie lautet das Alleinstellungsmerkmal?
Was bekommen Menschen so nur bei Dir?
Was mir meine Sammler rückmelden: Sie fänden nur bei mir diese Mischung aus Hoffnung, Mut und Anpacken. Das sei in der ganzen Zusammenarbeit der Tenor und meine Kunst verströme eine unbeschreibliche Zuversicht. Der relativ große Anteil an Spontankäufen (eher ungewöhnlich bei Kunstwerken) erklärt sich ebenfalls aus genau aus dieser Besonderheit. Viele erzählen, dass ein Werk von mir sie jeden Tag daran erinnert, größer zu denken und ruhiger zu bleiben zugleich.
Vor jedem Auftrag kläre ich ganz genau, was gewünscht ist. Soft Skills wie Stimmung und Wirkung und die harten Fakten wie Größe, Farbwelt und Ablauf. Damit da ein perfekt passender Leuchtkraftverstärker seine alltägliche Aufgabe erfüllen kann. Mit einer deutlichen Aussage und einer beständigen Wirkung. Kurz gesagt: Ich mach mein Ding, damit meine Sammler ihr Ding machen.
Die Marke und die Person
Du trittst unter dem Markennamen Vediamo auf. Wie kam es dazu und wofür steht dieser Name?
Vediamo ist italienisch und bedeutet sowohl „wir sehen“ als auch „schauen wir mal“. Der Begriff hat sich sozusagen selbst vorgeschlagen. Er war eines Morgens beim Aufwachen als Antwort in meinem Kopf. Und ist geblieben. Als ich vor knapp zwanzig Jahren den Weg der Künstlerin einschlage, finde ich das den genau passenden Begriff. Es geht ums genau Hinschauen. Und dieses souveräne, offene „schauen wir mal“ ist eine Einstellung, die ich sehr schätze und mit der ich auch an meine Werke herangehe. Der Name begleitet mich seitdem. Wie eine leise Randnotiz, die vieles auf den Punkt bringt.
Lebenswege und Wendepunkte
Dein Leben war nicht immer die Kunst, sondern Du hast viel Berufserfahrung in ganz anderen Branchen und mit viel stärkerem kaufmännischen und technischen Hintergrund gesammelt. Wie kam es zum Wendepunkt, eine komplett neue Richtung einzuschlagen?
Es gibt viele sehr vernünftige Schritte in meinem Leben. Die wirklich vernünftigste Entscheidung lautet: Ich mache jetzt Kunst. Kunst ist meins. Erkenntnis sammeln, Mut sortieren und loslegen. Als irgendwann der Raum zu klein ist, wird die Frage des „und was jetzt?“ groß. Und in der Bretagne entsteht endlich der Platz, den ich lange suche. Meer, Weite und ein Lebensstil, der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung erlaubt. Der Tag ordnet sich um Leinwand, Licht und Qualität. Die Erfahrung aus technischen und kaufmännischen Kontexten bleibt nützlich. Dazu gehören Struktur, Präzision und Verantwortungsbewusstsein. Das verbindet sich nun mit Sinn und Freude.
„Wo Deine Gaben liegen, liegen Deine Aufgaben.“
Meine Aufgabe ist klare, lebensfrohe Malerei, die Zuversicht verströmt.
Was Kunst erreichen kann
Wie würdest Du Deine Kunst für Menschen beschreiben, die kein Kunststudium absolviert haben? Will Deine Kunst nur gefallen oder verfolgt sie auch Ziele?
Danke für diese Frage, sie liegt mir am Herzen. Entfernen wir uns gern weit vom üblichen Kunstkauderwelsch. Sich mit einem Schirmchengetränk am Karibikpool wohlzufühlen, ist keine Kunst. Jeden Tag den Alltag nicht nur zu meistern, sondern nach eigenen Werten und Vorstellungen zu formen, ist die eigentliche Herausforderung. Und da kann man wirklich etwas brauchen, das Mut und Zuversicht einflößt. Das an grauen Tagen Hoffnung verbreitet und die guten Momente noch schöner macht.
Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch Begabungen trägt, die gelebt werden wollen. Meine Kunst erinnert daran. Und dafür reicht es, dass ich mein Handwerk verstehe, mein Werkzeug beherrsche und dieses Ergebnis liefern kann. Und die Geschichte erzähle ich natürlich ebenso dazu. Das befreit doch den Betrachter ungemein. Es lässt Raum für den Eindruck, den ein Bild auslöst.
Kunst und Kohle
Der Kunstmarkt gilt als schwierig und viele Künstler erschaffen zwar Großartiges, können es aber nur schwer verkaufen. Wie gelingt es Dir, in diesem Markt zu bestehen?
Das ignoriere ich einfach und mache zuverlässig und mit Begeisterung meine Arbeit. In der Praxis bedeutet das, auf Beziehung, Qualität und Klarheit zu setzen. In allem, was ich tue. Vor einem Auftrag kläre ich Werte, Stimmung, Raumcharakter und Nutzung im Alltag. Daraus entsteht ein ästhetisch klares, technisch sauberes, langlebiges Werk mit Passform.
Kommunikation bleibt verbindlich, Termine halten realistisch und die Übergabe ist professionell. Ich richte alles auf Resonanz aus. Kunst, die Beziehungen stiftet und für den Alltag arbeitet. Außerdem habe ich alle Informationen zugänglich auf meiner Website. Es gibt kein Rätselraten um Preise und Abläufe. Empfehlungen entstehen meist organisch. Beständiges, konsequentes Arbeiten mit hoher Messlatte ist und bleibt meine Herangehensweise.
- Übrigens: In Deutschland fragt man: „Kann man davon leben?“
- In Frankreich eher: „Wo kann ich Deine Bilder sehen?“
Kunst aktiv erleben
Du bist ebenso auf Veranstaltungen erlebbar. Was läuft dort ab und was nehmen die Teilnehmer davon mit?
Ausstellungen, Atelierbesuche und Gespräche zeigen meine Malweise unmittelbar.
Workshops gebe ich seit vielen Jahren in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen Gestaltungsfreiheit und Entscheidungssicherheit. Dazu gehören eigene Mittel finden, die eigene Handschrift vertiefen und tragfähige Entscheidungen treffen. Wir reduzieren, probieren, präzisieren mit Freude, ohne große Bühne. Viele gehen mit einem ersten, sehr konkreten Schritt nach Hause. Es geht um dasselbe Prinzip, das auch meine Malerei trägt.
Reduktion, Klarheit und Freude am Prozess. Ziel ist ein Alltag, der ruhig, stark und ermutigend gelingt.
Leben wie eine Göttin in Frankreich?
Du lebst als Künstlerin in der Bretagne (Bredouille?). Lebst Du ebenso wie die sprichwörtliche Göttin in Frankreich und kennst alle über 300 heimischen Käsesorten?
Zumindest fühlt es sich für mich so an. Der Magie dieses Landes erliege ich ganz leicht. Das immer gleiche Meer wartet jeden Tag mit einem anderen Farb- und Lichtspektakel auf. Die Landschaft ist wild und wechselhaft. Die Wälder haben einen deutlichen Hauch Asterix und Obelix. Das Essen ist fantastisch. Freundlichkeit, Verlässlichkeit und dieser unerschütterliche Sinn für Humor sind hier außergewöhnlich groß. Durch den Käse probiere ich mich häppchenweise. Und wenn ich den wortreichen Begeisterungsstürmen auf dem Markt recht folge, reicht die Zahl 300 vermutlich gar nicht aus. Frankreich heißt für mich, viel draußen zu sein sowie viel echtes Leben.
Seriöse Dame oder ausschweifende Avantgarde?
Künstler leben mit dem Stereotyp, wohl etwas schrullig oder exzentrisch zu sein. Wobei gönnst Du Dir gelegentlich kleinere oder größere Eskapaden?
Schon immer träume ich davon, am Meer zu leben. Ist irgendwie mein Ding. Eines Tages beschließe ich also, mein Ding zu machen und nicht nur davon zu träumen. Samt Atelier ziehe ich in die Bretagne und richte mir dort ein Leben ein. Den kleinen Eskapaden bleibe ich treu. Kleine Ausflüge mit großer Wirkung, der schnelle Café im Bistro. Malen am Strand, wenn die Wellen kräftig sind. Losziehen, nur um dieses besondere Licht einzufangen. Mitten unter der Woche Kastanien sammeln gehen, danach rösten und reden. Obwohl, ich nenne das ja nicht mehr Eskapaden. Ich nenne das inzwischen Savoir vivre.
Wenn es einmal zu Ende geht
Was wäre Deine Henkersmahlzeit und welche schönen Erinnerungen und Gefühle verbindest Du damit?
Als Vorspeise gibt es einen üppigen Tomatensalat mit klassischer Vinaigrette. Danach kommt gegrillte Makrele aus dem Golf du Morbihan mit Kartoffeln aus lokalem Boden. Ein Stück Comté mit gutem französischem Brot bildet die Brücke zum Dessert. Zum Abschluss Erdbeeren in einer Sauce aus frisch gepresstem Orangensaft und Crème fraîche, dazu ein Café allongé. Ein kleines Eau de Vie rundet ab. Ich schätze sehr solche ausgewählten Zutaten, gute Herkunft und Vielschichtigkeit. Für mich bedeutet das, sich Zeit zu nehmen, Qualität wert zu schätzen und das Leben zu feiern.
Fazit und Zusammenfassung
Yvonne Kaiser hat ihr persönliches Savoir vivre in der Bretagne gefunden. Dort kleckst sie nicht einfach Leinwände voll, sondern erschafft beeindruckende Werke, hinter denen auch klare Absichten stecken. Damit Kunst nicht brotlos bleibt, greift sie auf viele Erfahrungen aus dem früheren Erwerbsleben zurück. Yvonne ist keine abgeschottete Künstlerin. Sie bleibt anfassbar und in Echt erlebbar für Menschen, die sich ihrem Schaffen öffnen wollen. Kulinarisch ist sie gleichfalls voll in ihrer aktuellen Heimat angekommen. Sie weiß genau, was sie will und zieht ihr Ding durch. Bist Du neugierig geworden, mehr über ihre Arbeiten zu erfahren? Besuche ihren Internetauftritt Vediamo • Yvonne Kaiser.








